UA-108611519-1
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Informationen zum Thema

Grundlage zur Orientierung stellen die jeweiligen Gesetze, Regeln, sowie die Informationen der DGUV und BG dar.

DGUV Regel 100-001 (Vorschrift 1)

§ 2 Grundpflichten des Unternehmers

2.1.1 (1) Der Unternehmer hat die erforderlichen Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren sowie für eine wirksame Erste Hilfe zu treffen.

 

Arbeiten in Backbetrieben

DGUV Regel 110-004 (BGR 112)

3.6.16.2   Arbeitskleidung, Schuhwerk

Die Versicherten haben für die jeweilige Tätigkeit geeignetes Schuhwerk zu tragen.

Als geeignet wird Schuhwerk angesehen, wenn es insbesondere

  • einen ausreichend festen Sitz am Fuß gewährleistet,
  • einen Fersenhalt aufweist
  • biegsame Sohlen hat, die sich der natürlichen Bewegung des Fußes beim Gehen anpassen,
  • Absätze mit ausreichend großer Auftrittfläche und mäßiger Höhe besitzt,
  • profiliert ausgebildete Sohlen und Absätze aufweist, die die Einwirkungen am Arbeitsplatz berücksichtigen und
  • ein ausgeformtes Fußbett besitzt, das auch bei hoher Laufleistung die Beanspruchung in erträglichen Grenzen zu halten vermag.

 

3.6.3 Explosionsschutzdokument

Der Arbeitgeber hat unabhängig von der Zahl der Beschäftigten sicherzustellen, dass ein Explosionsschutzdokument erstellt wird und auf dem letzten Stand gehalten wird.

Aus dem Explosionsschutzdokument muss insbesondere hervorgehen,

  • dass die Explosionsgefährdungen ermittelt und einer Bewertung unterzogen worden sind,
  • dass angemessene Vorkehrungen getroffen werden, um die Ziele des Explosionsschutzes zu erreichen
    und
  • welche Bereiche in Zonen eingeteilt wurden.

Siehe auch § 6 der Betriebssicherheitsverordnung und Arbeitssicherheitsinformation: Leitfaden für Backbetriebe "Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes gemäß Betriebssicherheitsverordnung

 

Info: Die BGN bietet eine Broschüre als Arbeitshilfe, den Leitfaden "Explosionsschutzdokument für handwerkliche und kleine Backbetriebe" Arbeits-Sicherheits-Informationen ASI 8.52 - Gedacht für Betriebe bis 1,5 Tonnen Mehl pro Tag.

 

Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 2153)

7.1 Ableitfähiges Schuhwerk

In explosionsgefährdeten Bereichen der Zonen 0, 1 und 20 ist ableitfähiges Schuhwerk mit einem Ableitwiderstand der Person gegen Erde von höchstens108Ω zu tragen. Die gleiche Forderung gilt in Zone 21 bei Stoffen mit MZE < 10 mJ (normal zündempfindlich).

(2) In Bereichen, die durch explosionsgefährliche Stoffe gefährdet sind, ist ableitfähiges Schuhwerk zu benutzen.

(3) Ableitfähiges Schuhwerk darf nicht verändert werden, wenn hierdurch die ableitfähige Eigenschaft verloren geht.

 

ESD-Schuhe nach Norm:

DIN EN 61340-4-3

  • Metallkugel im Schuh auf Metallplatte (<108 Ohm)
  • Klimaklasse 3, 23°+/- 2° RH50% +/- 5% (Konditionierung 96h)
  • Klimaklasse 2, 23°+/- 2° RH 25 +/- 3% (Konditionierung 96h)
  • Klimaklasse 1, 23°+/- 2° +/- 3%RH (Vorkonditionierung 96h 40° RH<15%, &  Konditionierung 96h 23° RH 12%)

DIN EN 61340-5-1

Mensch im Schuh auf Metallplatte

(<3,5 x 107 Ohm)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schuhe in Backbetrieben und Bäckereien

 

Grundlegendes zu Sicherheit und Gesundheit

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz. Sie ist die Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement. (Quelle: BAuA) - Resümierend ist aus den Ergebnissen der Beurteilung auch der notwendige Fußschutz (Schutzklasse und ergänzende Eigenschaften von Berufs- oder Sicherheitsschuhen) zu bestimmen, zu dokumentieren und gemäß ergänzender Regeln, Richtlinien und Verordnungen (siehe u. a. Feld links) umzusetzen. Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen ist zudem zu Überprüfen.

 

Schaft

Die am Markt angebotenen Berufs- & Sicherheitsschuhe sind größtenteils aus Leder-, Textil-, oder Mikrofaserschäften hergestellt. Durch PU- oder PVC-Beschichtungen erfüllen Lederschuhe den Anspruch, welche an bedingt wasserdichte Berufs- und Sicherheitsschuhe gestellt werden (z.B. O2, S2, O3, S3). Aufgrund dieser Beschichtungen lassen sie leider aber auch nur schwer Feuchtigkeit aus dem Schuh wieder heraus. - Der Umgang mit Wasser oder der durch warme Backstuben begründete Körperschweiß lassen Schuhe feucht, nass und schwergewichtig werden. Die Trocknung eines Lederschaftes geschieht dann meist in Verbindung mit einer gewissen "Schrumpfung" des Leders. Die Verbindungmodernes A-micro Schaftmaterialmodernes A-micro Schaftmaterial mit der Sohle kann dadurch insoweit leiden, daß sich Sohlenlöser darauf begründen. Alternativ erhältliche Sicherheitsschuhe aus hydrophobiertem Leder erreichen eine bessere Wasserverträglichkeit, sind aber hygienisch bedenklich sowie verhältnismäßig selten und teuer. Schuhe mit Textilschaft kommen aufgrund der Sensibilität gegenüber Verschutzung nicht in Betracht.

Moderne Schuhe aus Mikrofasermaterialen sind heutzutage nicht mehr zu vergleichen mit Kunstledern oder ähnlichem vergangener Tage. Auf dem Markt tummeln sich unterschiedliche Mikrofaserhersteller aus Europa und Fernost, mit eigenem Namen oder als eigens beworbene Marke. In Verbindung mit Silberionen-Futter sind gute hygienische Bedingungen im Schuhinnern zu erreichen, da die verwendeten Materialien gegen die Entwicklung von Bakterien arbeiten. (siehe auch HACCP Anspruch) Das Abtrocknen nasser oder feuchter Schuhe und Füße ist mit einem konstruktionsbedingt offenporigem Mikrofaserschaft schneller zu erreichen als bei der Verwendung von Leder. Ideal auch dann, wenn man die Schuhe einfach einmal durchwaschen möchte.

A-micro ist z. B. ein neuartiges High-Tech-Material für Schuhe, welches besonders wasserabweisend und zugleich atmungsaktiv ist und sogar die Eigenschaften von hydrophobiertem Leder übertrifft. Es ist bis 30 bzw. 60°C waschbar, ohne zu schrumpfen und aufgrund der Materialbeschaffenheit sogar antibakteriell.  A-micro eignet sich besonders für den Einsatz in hygienisch sensiblen Bereichen. Es ist durchgefärbt, besonders leicht und geschmeidig, gleichzeitig aber sehr reißfest und widerstandsfähig. Optisch ist es dem behandelten Leder sehr ähnlich. Aus diesem Material sind Clogs, Sandalen, Slipper, Halbschuhe oder Stiefel erhältlich, selbstverständlich mit oder ohne Schutzkappe wie auch als ableitfähiger ESD-Schuh.

 

Sohle

Berufs- & Sicherheitsschuhe unterscheiden sich meist durch die Verwendung von Mono- oder Zweischicht-Sohlen. Bei Mono-Sohlen ist das geschäumte Material dämpfende Zwischensohle und zugleich Laufsohle, Zweischicht-Sohlen besitzen dagegen eine geschäumte, dämpfungsaktive Zwischensohle und eine abriebfeste robuste Laufsohle. (Siehe Bilder). Alle zertifizierten Berufs- und Sicherheitsschuhe haben den Nachweis einer vorhandenen Rutschhemmung (Gleitwiderstand) zu erbringen (EN ISO 20344-20347:2012). Mit "SRA" gekennzeiDämpfung in der ZwischensohleDämpfung in der Zwischensohlechnete Schuhe wurden positiv getestet auf Boden aus Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfatlösung (SLS), "SRB" gekennzeichnete Schuhe erfüllen die Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerol als Gleitmittel. Sind Schuhe mit "SRC" gekennzeichnet erfüllen sie beide der zuvor genannten Anforderungen (SRA & SRB). 

Berufs- oder Sicherheitsschuhe mit Mono-Sohlen leiden im Arbeitsbetrieb mehr als Schuhe mit Zweischicht-Sohlen. Geschäumte Mono-Sohlen erfüllen problemlos die geforderten dämpfenden Eigenschaften welche an Berufs- & Sicherheitsschuhe gestellt werden, neigen jedoch dazu allgemein empfindlicher und verschleißfreudiger zu sein. Bei Schuhen mit Zweischicht-Sohlen wird dierutschhemmende TPU Laufsohlerutschhemmende TPU Laufsohle dämpfende und schockabsorbierende Zwischensohle durch eine robustere Laufsohle ergänzt. Die Eigenschaft der Laufsohle kann idealerweise an dem Anspruch des Arbeitsumfeldes angepasst werden. Laufsohlen Materialien wie: PU, TPU (Thermoplastisches Polyurethan), Nitril, Gummi, usw... unterscheiden sich in Ihrer Beständigkeit und Abriebfeste, die gewählten Sohlen-Profile entscheiden zudem auch über Rutschhemmung und/oder Wasserverdrängung. Idealerweise wird die Laufsohle, bzw. der damit ausgestattete Schuh passend zu den Bodenverhältnissen und den äußeren Einflüssen am Arbeitsplatz gewählt. Auf das Thema ESD / ableitfähige Sohlen und Schuhe im Backbetrieb (Mehlstaubexplosionen) wird auf dieser Seite weiter unten noch gesondert eingegangen.

Neben den zuvor geschilderten Sohlenmaterialien wollen wir die Profile der Laufsohlen näher betrachten. Neben der Wahl der verwendeten Laufsohlenmaterialien hat die Gestaltung des Profils großen Einfluss auf die Funktion und die Hygiene eines Berufs- oder Sicherheitsschuhs. Schuhe mit guter Rutschhemmung lassen sich durch Laufsohlen mit Lamellenprofil realisieren, oder man nutzt modernes "klebriges" Laufsohlenmaterial. Leider setzen die alltäglichen und unvermeidlichen Bodenverschmutzungen die Lamellen soweit zu, daß die Rutschhemmung dadurch reduziert wird. Zudem sind eingetretene Verschmutzungen nur schwer zu entfernen und sind damit auf Dauer hygienisch bedenklich (HACCP-Gedanke).

 

Laufsohlen

Laufsohlen mit hohem Negativanteil lassen Bodenverunreinigungen links liLaufsohle mit integrierter MittelfußstützeLaufsohle mit integrierter Mittelfußstützeegen und nehmen Verunreinigungen weniger auf. Sie sind bauartbedingt leichter zu reinigen und damit hygienisch gesehen im Vorteil. Die Umsetzung der geforderten Rutschhemmung hängt insbesondere von der Wahl eines hochwertigen Laufsohlenmaterials ab. Im Vergleich zu Sohlen mit hoher Lamellenstruktur ist im Schuh mit höherem Negativanteil das Drehen auf dem Fußballen und der Ferse einfacher und belastet das Knie und zufolge den ganzen Bewegungsapparat damit weitaus weniger. (Reduzierung der Torsionskräfte).

 

Innenfutter 

Schuhe im Backbetrieb sind grundsätzlich einer hohen Feuchtebelastung ausgesetzt. Diese können durch Wasser oder Körperschweiß verursacht werden und den Schuh von außen wie von Innen durchfeuchten. Für ein ordentliches Abtrocknen fehlt meist die Zeit oder die Vorhaltung eines Ersatzpaares. Moderne Innenfutter haben die Aufgabe die Feuchtigkeit aufzunehmen und vom Fuß nach außen zu transportieren. Bei der Verwendung eines atmungsaktiven Mikrofaserschaftes ist so ein schnelles Trocknen des Schuhs möglich. Bei nassen Lederschuhen ist eine Abtrocknung zeitintensiv und die Klebeverbantibakterielles Innenfutterantibakterielles Innenfutterindung zur Sohle wird zudem nachteilig beeinflusst. (Schrumpfung des Leders beim Abtrocknen) Am Fuß unterstützen regulierende Sport-/Funktionssocken (keine Baumwolle!!!) den Feuchtetransport und helfen den Fuß trocken zu halten. Die Körperwärme kann die Abtrocknung zudem unterstützen. Silber-Ionisierte Innenfutter haben eine antibakterielle Wirkung und sind nach Norm geruchshemmend durch Keimreduzierung. Die Steigerung dazu ist die Verwendung von eingewobenen Silberfäden im Innenfutter. Die so vorhandene physische Gegebenheit sorgt für eine permanente antimikrobielle Wirkung (katalytische Eigenschaft), die das Bakterienwachstum hemmt und aufgrund des Abbaus von resistenten organischen chemischen Verbindungen Gerüche beseitigt.

 

Einlegesohlen

Empfehlenswert sind offenporige Einlegesohlen, welche Feuchtigkeit vom Fuß abführen können. Zudem verbessern sie die Abtrocknung eines durchfeuchteten Schuhs nach der Arbeit erheblich. Geschlossenporige Einlegesohlen aus Schaum erfüllen diese Funktion nur sehluftdurchlässige Einlegesohle (Unterseite)luftdurchlässige Einlegesohle (Unterseite)r bedingt, sind aber im ersten Moment die bequemere Wahl. Bei einer notwendigen Verwendung von orthopädischen Einlegesohlen muss darauf geachtet werden, daß die vom Orthopädie-Schuhtechniker verwendeten Rohlinge passend zum Schuh zertifiziert sind. (siehe BGR 191) Bei der Verwendung von eigenen "fremden" Einlegesohlen kann es passieren, daß die Bauhöhe den notwendigen ausreichenden Platz unter der Schutzkappe nicht mehr bietet. Dazu sollte man wissen, daß jede Schutzkappe bei Belastung gemäß der Prüfnorm nachgeben darf, soll dann aber im Ernstfall nicht den Zeh abquetschen. Des Weiteren ist damit zu rechnen, daß die statische Entladung (ESD-Fähigkeit) bei "fremden" Einlagen nicht mehr gewährleistet ist.

 

HACCP

"HACCP-gerechte" Schuhe werden aus Werkstoffen hergestellt, welche Bakterien keinen oder kaum Nährstoffboden zur Entwicklung geben sollen. Schuhwerkstoffe wie Leder, Kork oder Holz  bieten Bakterien stets Spielraum um sich im feuchten Schuhklima zu entwickeln, - diese Materialien empfehlen sich daher nicht! Für Arbeitsbereiche mit HACCP-Anspruch (Beherrschung der Gefahren im Umgang mit Lebensmitteln) sind Berufs- und/oder Sicherheitsschuhe aus Mikrofaser eindeutig die bessere Wahl. Allein das verwendete Material gibt aber keine verbindliche Aussage über die Hygiene und die Funktion des Produkts. Fragen Sie nach, ob die Lebensmitteltauglichkeit von einem unabhängigen Prüfinstitut als solches nachweislich geprüft wurde.

 

ESD

Mehlstaubexplosionen oder ähnliche Verpuffungen gehören zu den Gefahren, welche für Arbeitsplätze in Bäckereien und Backbetrieben zu berücksichtigen gilt. (Siehe auch § 6 der BetriebsESD Kennzeichnung (elektrostatische Ableitung)ESD Kennzeichnung (elektrostatische Ableitung)sicherheitsverordnung und Arbeitssicherheitsinformation: Leitfaden für Backbetriebe "Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes gemäß Betriebssicherheitsverordnung) Bei Schuhen kann dem Problem begegnet werden, daß diese ausreichend elektrisch ableitend sind, (ESD tauglich nach DIN EN 61340-5-1), besser noch wenn diese gemäß CLR/TR 50404:2003 für explosionsfähige Atmosphären geeignet sind. Ableitfähige Böden wie auch die richtige persönliche Schutzausrüstung werden zudem vorausgesetzt.

 

Empfehlung

Die Empfehlung zum richtigen Schuh für Backbetriebe und Bäckereien verlangt nach vorheriger Betrachtung der oben genannten Themen. Zudem sind die Rechtsvorschriften, Regeln und geforderten Standards zugrunde zu legen. Ein ableitfähiger S1, S2 oder S3 ESD-Sicherheitsschuh darf hier als Halb- oder Hochschuh-Ausführung fast immer vorausgesetzt werden, auch hätte man damit die Empfehlung der BGRegel 191berücksichtigt, wo für Bäckereien/Teigmacherei S1 und S2 Schuhe in der Beispielsammlung genannt werden. Bei der Betrachtung eines Hygiene-Managementsystems (IFS / HACCP) sollte der Schaft des Schuhes aus waschbarer Mikrofaser bestehen und in Verbindung mit einem Silber-veredelten Innenfutter ausgerüstet sein. Eine Zweischicht-Sohle bietet zudem einen weit besseren Schutz gegen abrasive Böden (R12 oder R13) und aggressive chemische Reiniger, sowie auch gegen Lösemittel oder tierische Fette und Öle. Wird eine höhere Rutschhemmung auf Fliesenböden benötigt, empfehlen sich zur Prüfung besonders Schuhe mit PU-Sohlen. Die Standzeit von Schuhen mit Zweischicht-Sohlen statt Mono-Sohlen ist zudem höher und damit weit wirtschaftlicher. Eine helle Sohle bietet sich an, kann so das visuelle Erkennen und lokalisieren von Verschmutzungen zusätzlich verbessert werden.