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Schuhe in Backbetrieben / Bäckereien

 

Grundlegendes zu Sicherheit und Gesundheit

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz. Sie ist die Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement. (Quelle: BAuA) - Resümierend ist aus den Ergebnissen der Beurteilung auch der notwendige Fußschutz (Schutzklasse und ergänzende Eigenschaften von Berufs- oder Sicherheitsschuhen) zu bestimmen, zu dokumentieren und gemäß ergänzender Regeln, Richtlinien und Verordnungen umzusetzen. Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen ist zudem zu Überprüfen.

 

Schaft

Am Markt angebotene Arbeitsschuhe sind meist aus Leder- oder Mikrofaserschaft hergestellt. Durch PU-Beschichtungen erfüllen Arbeitsschuhe den Anspruch, welche an bedingt wasserdichte Berufs- oder Sicherheitsschuhe gestellt werden (Kennzeichnung: z.B. O2, S2, O3, S3). Aufgrund der PU-Beschichtung wird das Diffundieren von Feuchte aus dem Innern des Schuhs heraus jedoch verschlechtert. Ein höheres Schuhgewicht ergibt sich bei Transpiration und Nässe zudem. Der Umgang mit Wasser oder der durch warme Backstuben begründete Körperschweiß lassen Schuhe gerne feucht, nass und schwergewichtig werden.

Die Trocknung eines nassen Lederschaftes geht immer mit einer gewissen "Schrumpfung" des Leders einher. Die Klebeverbindung mit der Sohle kann dadurch insofern leiden, daß sich schlussendlich Sohlenlöser darauf begründen. Sicherheitsschuhe aus hydrophobiertem hochwertigem Leder erreichen eine bessere Wasserverträglichkeit, sind aber etwas teurer! Aus Mikrofaser gefertige Produkte sind wasserunempfindlich, trocknen schneller, sind aber weniger angenehm zu tragen als eingelaufene Lederschuhe. Schuhe mit Textilschaft, oder Textileinlassungen kommen aufgrund der Sensibilität gegenüber Verschutzung im Küchenbereich eh nicht in Betracht.

 

Sohle

Arbeitsschuhe unterscheiden sich in der Ausführung zwischen Mono- oder Zweischicht-Sohlen. Bei Mono-Sohlen ist das geschäumte, dämpfende Sohlenmaterial zugleich Laufsohlenmaterial, Zweischicht-Sohlen besitzen dagegen eine geschäumte, dämpfungsaktive Zwischensohle und eine abriebfeste robuste Laufsohle. (Siehe Bilder). Alle zertifizierten Berufs- und Sicherheitsschuhe haben den Nachweis einer vorhandenen Rutschhemmung (Gleitwiderstand) zu erbringen (EN ISO 20344-20347:2012). Mit "SRA" gekennzeichnete Schuhe wurden positiv getestet auf Boden aus Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfatlösung (SLS), "SRB" gekennzeichnete Schuhe erfüllen die Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerol als Gleitmittel. Sind Schuhe mit "SRC" gekennzeichnet, erfüllen Beide die zuvor genannten Anforderungen gleichermaßen (SRA & SRB). 

Berufs- und Sicherheitsschuhe mit weichen Mono-Sohlen leiden und altern im Arbeitsbetrieb schneller als Schuhe mit Zweischicht-Sohlen! Mono-Sohlen erfüllen zwar problemlos die geforderten Eigenschaften welche an Berufs- & Sicherheitsschuhe gestellt werden, neigen jedoch dazu, empfindlicher auf äußere Einflüssezu reagieren. Aufgrund Ihrer offenporigen Struktur und der geringen Dichte ist bei hoch rutschhemmenden R-Böden ein erhöhter Abrieb (Verschleiß) zu erwarten. Beim Einsatz von aggressiven chemischen Bodenreinigern z.B. Entfetter mit Kalium- oder Natriumhydroxidanteilen, werden den Sohlen zudem notwendige Weichmacher entzogen; - spröde und schneller alternde Laufsohlen zeugen davon. Der mögliche Verbleib von ungesunden Substanzen (Chemie) im Schuh ist ebenso zu betrachten.

Bei Arbeitsschuhen mit Zweischicht-Sohlen wird die dämpfende und schockabsorbierende Zwischensohle (PU oder EVA) durch eine feste Laufsohle ergänzt. Die Eigenschaft der Laufsohle kann idealerweise an dem Anspruch des Arbeitsumfeldes angepasst werden. Laufsohlen-Materialien wie: PU, TPU (Thermoplastisches Polyurethan), Nitril, Gummi, usw... unterscheiden sich in Ihrer Beständigkeit und Abriebfeste. Die gewählten Sohlen-Profile entscheiden zudem auch über Rutschhemmung und Wasserverdrängung. Idealerweise wird die Laufsohle, bzw. der damit ausgestattete Schuh, passend zu den Bodenverhältnissen und den äußeren Einflüssen am Arbeitsplatz gewählt. Die Laufsohle der Zweischicht-Sohlen hält durch ihre höhere Dichte chemischen Reinigern besser Stand als Mono-Sohlen es schaffen. - Sprechen Sie bei auftretenden Problemen stets mit einem fachkundigen Ansprechpartner (Fachhandel/Hersteller) darüber. - Auf das Thema ESD / ableitfähige Sohlen und Schuhe im Backbetrieb (Mehlstaubexplosionen) wird auf dieser Seite weiter unten noch gesondert eingegangen.

 

Laufsohle / Profil

Laufsohlen mit hohem Profil-Negativanteil lassen Bodenverunreinigungen links liegen und nehmen Verunreinigungen weniger auf. Sie sind bauartbedingt leichter zu reinigen und damit hygienisch gesehen im Vorteil. Die Art und das Maß der Wasserverdrängung ist zudem abhängig von der Gestaltung des Profildesigns. Die Erfüllung der geforderten Rutschhemmung hängt dagegen in großem Maße von der Wahl des richtigen Laufsohlenmaterials ab. Im Vergleich zu Sohlen mit feiner Lamellenstruktur ist im Schuh mit höherem Negativanteil das Drehen auf dem Fußballen und der Ferse einfacher. Dies belastet das Knie und zufolge den ganzen Bewegungsapparat somit weniger. (Reduzierung der Torsionskräfte). Bei Knie- oder Hüftproblemen kann dies von Vorteil sein.

Bei der Wahl der passenden Rutschhemmung wird empfohlen unterschiedliche Arbeitsschuhe und deren Laufsohlenmaterialien zu testen. Grundsätzlich erfüllen alle zertifizierten Berufs- & Sicherheitsschuhe die Anforderungen hinsichtlich des geforderten "Gleitwiderstandes" nach Norm, oft ist aber der lokale Anspruch an die Rutschhemmung individuell und wird somit durch den Normtest nicht wirklichkeitsnah beantwortet. Lösungen bei unterschiedlichsten Böden mit verschiedensten Verunreinigungen sind nur mittels Tests im Einzellfall objektiv zu ermitteln. - D.h. bei der Arbeitsschuh-Ausrüstung der Mitarbeiter-Belegschaft sollte stets ein Eignungstest mit einigen Mitarbeitern vorab durchgeführt werden.

 

Innenfutter 

Schuhe im Backbetrieb sind grundsätzlich einer hohen Feuchtebelastung ausgesetzt. Diese können durch Wasser oder Körperschweiß verursacht werden und den Schuh von außen wie von Innen durchfeuchten. Für ein ordentliches Abtrocknen fehlt meist die Zeit oder die von der BG empfohlene Bereitstellung eines Ersatzpaares. Moderne Innenfutter haben die Aufgabe die Feuchtigkeit aufzunehmen und vom Fuß nach außen zu transportieren. Bei der Verwendung eines atmungsaktiven Mikrofaserschaftes ist so ein schnelles Trocknen des Schuhs möglich. Bei nassen Lederschuhen ist eine Abtrocknung zeitintensiv und die Klebeverbindung zur Sohle wird zudem nachteilig beeinflusst. (Schrumpfung des Leders beim Abtrocknen) Am Fuß unterstützen regulierende Sport-/Funktionssocken (keine Baumwolle!!!) den Feuchtetransport und helfen den Fuß trocken zu halten.

Silber-Ionisierte Innenfutter haben eine antibakterielle Wirkung und sind nach Norm geruchshemmend durch Keimreduzierung. Die so vorhandene physische Gegebenheit sorgt für eine permanente antimikrobielle Wirkung (katalytische Eigenschaft), die das Bakterienwachstum hemmt und aufgrund des Abbaus von resistenten organischen chemischen Verbindungen Gerüche vermindert.

 

Einlegesohlen

Dabei erhält die Bequemlichkeit der mitgelieferten Einlegesohle einen höheren Stellenwert als die Hygiene. Viele Gedanken über hygienisch möglichst einwandfreie Einlegesohlen wurden bisher gemacht, die Sinnhaftigkeit derer ist jedoch stets in Verbindung mit den getragenen Socken zu betrachten. Was nützt eine hygienische Einlegesohle, wenn unhygienische oder verschmutzte Socken getragen werden!? Einlegesohlen und deren Schuhe, welche die Nutzung von Arbeitsschuhen auf Dauer zur Qual machen, sind auf Dauer unbrauchbar! 

Bei einer notwendigen Verwendung von orthopädischen Einlegesohlen muss darauf geachtet werden, daß die vom Orthopädie-Schuhtechniker verwendeten Rohlinge passend zum Schuh zertifiziert sind und die zwingenden Eigenschaften der originalen Einlegesohle erfüllt. Bei der Verwendung von eigenen "Markenfremden" Einlegesohlen kann es passieren, daß die Bauhöhe den notwendigen ausreichenden Platz unter der Schutzkappe nicht mehr bietet. Dazu sollte man wissen, daß jede Schutzkappe bei Belastung gemäß der Prüfnorm nachgeben darf; - diese soll im Unglücksfall aber nicht die Zehen ein- oder abquetschen. Desweiteren ist damit zu rechnen, daß die elektrostatische Entladung (ESD-Funktion) bei "fremden" Einlagen nicht mehr in der geforderten Weise gewährleistet ist. Mehr zu orthopädischen Einlegesohlen lesen sie hier!

 

HACCP

HACCP-Schuhe, oder HACCP zertifizierte Schuhe gibt es nicht! Man spricht bei solchen Produkten eher von den verwendeten Materialien bei der Herstellung, welche das Entstehen von Bakterienherden in der Anwendung reduzieren oder gar ausschließen sollen. Die bei der Schuhherstellung verwendeten anorganischen Materialien (meist Kunststoffe) werden gern als HACCP- "gerecht" oder "geeignet" bezeichnet, weil sie angeblich die Vermehrung von Bakterienherden mindern oder dazu beitragen können. Diese Betrachtung ist aber eher theoretischer Natur.

Beim Endprodukt Schuh müsste aus hygienischer Sicht sichergestellt werden, daß nach der Verwendung verbleibende Baumwollfussel, Hautpartikel und/oder Schweiß rückstandsfrei gereinigt werden können! Da dies nicht möglich ist, sieht die DIN 10524 eine hygienische Reinigung ggf. Desinfektion von Sicherheits- oder Berufsschuhen vor. Selbstverständlich mit fachgerechter Trocknung und Aufbewahrung. Bequeme Schuhe aus Leder können so auch im Lebensmittelbereich Verwendung finden.

 

ESD

Mehlstaubexplosionen oder ähnliche Verpuffungen gehören zu den Gefahren, welche es bei Arbeitsplätzen in Bäckereien und Backbetrieben zu berücksichtigen gilt. (Siehe auch § 6 der Betriebssicherheitsverordnung und Arbeitssicherheitsinformation: Leitfaden für Backbetriebe "Erstellung eines Explosionsschutzdokumentes gemäß Betriebssicherheitsverordnung) Bei Schuhen kann dem Problem begegnet werden, daß diese ausreichend elektrisch ableitend sind, (ESD tauglich nach DIN EN 61340-5-1). Ableitfähige Böden wie auch die richtige persönliche Schutzausrüstung / -bekleidung wird dem vorausgesetzt.

 

Quelle: BGN / report 3/2018Quelle: BGN / report 3/2018

Empfehlung

Die Empfehlung zum richtigen Schuh für Backbetriebe und Bäckereien verlangt nach vorheriger Betrachtung der oben genannten Themen! Zudem sind die Rechtsvorschriften, BG-Regeln (DGUV Regel 110-004 (BGR 112) und die geforderten Standards zugrunde zu legen! Ein ableitfähiger S1, S2 oder S3 ESD-Sicherheitsschuh darf hier als Halb- oder Hochschuh-Ausführung fast immer vorausgesetzt werden, auch hätte man damit die Empfehlung der DGUV Regel 112-191 (BGR 191) berücksichtigt, wo für Bäckerei & Teigmacherei S1 und S2 Schuhe in der Beispielsammlung genannt werden.

Im Vergleich zu vielen anderen Berufsbildern sind Unfälle im Backgewerbe besonders häufig, die sich auf Ausrutschen, Stolpern und Stürzen begründen!  Die Verwendung von Schuhen mit besonders hoher Rutschhemmung ist deshalb besonders zu beachten. Auf Fliesen sollten unbedingt Sicherheits- oder Berufsschuhe mit PU-Laufsohle getestet werden, haben sich diese Materialien doch bestens bewährt!

Die offiziellen Zahlen der Berufsgenossenschaft (BGN) von 2017 zeigen, daß die häufigste Unfallart im Backgewerbe die der Stolper, Rutsch- und Sturzunfälle sind. In den letzten Jahren ist diese Unfallart mit 36% fast unverändert geblieben sind. (Der BGN-Durchschnitt liegt hier bei 29%) - Hier gilt es mit passendem Schuhwerk anzusetzen!