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Schuhe in der Lebensmittelindustrie

 

Grundlegendes zu Sicherheit und Gesundheit

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz. Sie ist die Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement. (Quelle: BAuA) - Resümierend ist aus den Ergebnissen der Beurteilung auch der notwendige Fußschutz (Schutzklasse und ergänzende Eigenschaften von Berufs- oder Sicherheitsschuhen) zu bestimmen, zu dokumentieren und gemäß ergänzender Regeln und Richtlinien umzusetzen. Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen ist zudem zu Überprüfen.

 

Schaft

In der Lebensmittelindustrie trifft man in vielen Bereichen auf Sicherheitsschuhe, entweder mit Mikrofaser- oder Lederschaft. Meist als weißer S2 oder S3 Halbschuh. Neben den verbreiteten Halbschuhen (als Schnürer oder Slipper) spielen für spezielle Bereiche auch Hochschuhe oder Stiefel Schleuse zur SchuhreinigungSchleuse zur Schuhreinigungeine wichtige Rolle. (z.B. Kühlhaus, Hygieneschleuse, Umgang mit Flurförderfahrzeugen, usw...) Sicherheitsschuhe mit preiswertem Leder- oder Mikrofaserschaft sind weit verbreitet. Schuhe solcher minderer Qualität stehen jedoch im Widerspruch zu den Anforderungen welche die tägliche mechanische Reinigung in der Lebensmittelindustrie an sie stellt. Auch sind sie meist unbequemer, weil weniger anschmiegsam! Die Feuchteempfindlichkeit und eine mangelnde Hygiene bei Schuhen mit minderem Leder- oder Mikrofaserschäften sind Kriterien die betrachtet werden sollten. Wasser von außen oder Schweiß von innen lassen den Schuh feucht, nass und schwergewichtig werden. Die Verbindung mit der Sohle kann dadurch derart leiden, daß sich Sohlenlöser darauf begründen. Sicherheitsschuhe mit hochwertigem Mikrofaserschaft sind dagegen eine Option. Mit einer Wasserlasche versehen sind solche nahtarmen Schäfte geeignet im Umgang mit Lebensmitteln. Hochqualitativ beschichtete Leder-Sicherheitsschuhe erreichen eine ebenso gute Wasserverträglichkeit, sind im Trageverhalten sogar angenehmer, kosten jedoch etwas mehr!

 

Sohle und Laufsohle

Sicherheits- und Berufsschuhe unterscheiden sich meist durch die Verwendung von Mono- oder Zweischicht-Sohlen. Bei Mono-Sohlen ist die geschäumte, dämpfende Sohle zugleich Laufsohle, Zweischicht-Sohlen besitzen dagegen eine geschäumte, dämpfungsaktive Zwischensohle und eine abriebfeste robuste Laufsohle. (Siehe Bilder). Alle zertifizierten Sicherheits- und Berufsschuhe haben den Nachweis einer vorhandenen Rutschhemmung (Gleitwiderstand) zu erbringen (EN ISO 20344-20347:2012). Mit "SRA" gekennzeichnete Schuhe wurden positiv getestet auf Boden aus Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfatlösung (SLS), "SRB" gekennzeichnete Schuhe erfüllen die Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerol als Gleitmittel. Sind Schuhe mit "SRC" gekennzeichnet erfüllen Sie Beide der zuvor genannten Anforderungen (SRA & SRB). 

Sicherheits- und Berufsschuhe mit Mono-Sohlen leiden im Berufsalltag etwas mehr als Schuhe mit Zweischicht-Sohlen. Geschäumte Mono-Sohlen erfüllen problemlos die geforderten dämpfenden Eigenschaften welche an Sicherheits- und Berufsschuhe gestellt werden, neigen jedoch dazu, empfindlicher auf aggressive Flüssigkeiten zu reagieren. Aufgrund Ihrer geschäumten Struktur und der geringen Materialdichte ist zudem ein erhöhter Abrieb/Verschleiß zu erwarten. Beim typischen Einsatz von aggressiven chemischen Bodenreinigern (Entfetter wie z.B. Kalium- oder Natriumhydroxid) werden den Sohlen über die Dauer Weichmacher entzogen und lassen diese spröde und rissig werden. Der mögliche Verbleib von ungesunden Substanzen (Chemie) im Schuh ist ebenso zu betrachten. Die Rutschhemmung von guten Mono-PU-Sohlen ist dagegen unerreicht.

Bei Arbeitsschuhen mit Zweischicht-Sohlen wird die dämpfende und schockabsorbierende Zwischensohle durch eine Laufsohle ergänzt. Die Eigenschaft der Laufsohle kann idealerweise an dem Anspruch des Arbeitsumfeldes angepasst werden. Laufsohlen Materialien wie: PU, TPU (Thermoplastisches Polyurethan), Nitril, Gummi, usw... unterscheiden sich in Ihrer Beständigkeit und Abriebfeste, die gewählten Sohlen-Profile entscheiden zudem auch über Rutschhemmung und/oder Wasserverdrängung. Idealerweise wird die Laufsohle, bzw. der damit ausgestattete Schuh passend zu den Bodenverhältnissen und den äußeren Einflüssen am Arbeitsplatz gewählt. Die Laufsohle bei Zweischicht-Sohlen hält alleine durch ihre höhere Dichte chemischen Reinigern besser Stand als Mono-Sohlen. Helle Laufsohlen (weiß oder grau) empfehlen sich in der Lebensmittelindustrie besonders und zeigen Sauberkeit und Hygiene auf. Bodenverschmutzungen können so schneller erkannt und beseitigt werden.

Neben den zuvor geschilderten Sohlenmaterialien sind immer auch die Profile der Laufsohlen zu betrachten. Neben der Wahl der verwendeten Laufsohlenmaterialien hat die Gestaltung des Profils großen Einfluss auf die Funktion und die Hygiene eines Berufs- oder Sicherheitsschuhs. Schuhe mit guter Rutschhemmung lassen sich durch Laufsohlen mit feingliedrigen Lamellenprofil realisieren, oder man nutzt modernes Laufsohlenmaterial mit großer Kontaktfläche. Leider setzen Verschmutzungen "Lamellensohlen"  zu, so daß Verunreinigungen herumgetragen werden. Zudem sind eingetretene Verschmutzungen nur schwer zu entfernen und auf Dauer hygienisch bedenklich (IFS & HACCP-Gedanke). Laufsohlen mit hohem Negativanteil lassen Bodenverunreinigungen "links" liegen und nehmen Verunreinigungen weniger auf. Sie sind bauartbedingt leichter zu reinigen und damit hygienisch gesehen im Vorteil. Die Umsetzung der benötigten Rutschhemmung hängt insbesondere von der Wahl des richtigen Laufsohlenmaterials ab. Im Vergleich zu Sohlen mit hoher Lamellenstruktur ist im Schuh mit höherem Negativanteil das Drehen auf dem Fußballen und der Ferse zudem einfacher und belastet demnach Knie und Hüfte weitaus weniger. (Reduzierung der Torsionskräfte).

 

Einlegesohlen

Dabei erhält die Bequemlichkeit der mitgelieferten Einlegesohle einen höheren Stellenwert als die Hygiene. Viele Gedanken über hygienisch möglichst einwandfreie Einlegesohlen wurden bisher gemacht, die Sinnhaftigkeit derer ist jedoch stets in Verbindung mit den getragenen Socken zu betrachten. Was nützt eine hygienische Einlegesohle, wenn unhygienische oder verschmutzte Socken getragen werden!? Einlegesohlen und deren Schuhe, welche die Nutzung von Arbeitsschuhen auf Dauer zur Qual machen, sind auf Dauer unbrauchbar! 

Bei einer notwendigen Verwendung von orthopädischen Einlegesohlen muss darauf geachtet werden, daß die vom Orthopädie-Schuhtechniker verwendeten Rohlinge passend zum Schuh zertifiziert sind und die zwingenden Eigenschaften der originalen Einlegesohle erfüllt. Bei der Verwendung von eigenen "Markenfremden" Einlegesohlen kann es passieren, daß die Bauhöhe den notwendigen ausreichenden Platz unter der Schutzkappe nicht mehr bietet. Dazu sollte man wissen, daß jede Schutzkappe bei Belastung gemäß der Prüfnorm nachgeben darf; - diese soll im Unglücksfall aber nicht die Zehen ein- oder abquetschen. Desweiteren ist damit zu rechnen, daß die elektrostatische Entladung bei "fremden" Einlagen nicht mehr in der geforderten Weise gewährleistet ist. - Mehr zu orthopädischen Einlegesohlen gemäß den Vorschriften lesen sie hier!

 

Innenfutter 

Schuhe in der Lebensmittelindustrie sind grundsätzlich einer hohen Feuchtebelastung ausgesetzt. Diese können durch Wasser oder Körperschweiß verursacht werden und den Schuh von außen wie von Innen durchfeuchten. Für ein ordentliches Abtrocknen fehlt meist die Zeit oder die Vorhaltung eines Ersatzpaares. Moderne Innenfutter haben die Aufgabe die Feuchtigkeit zu absorbieren und vom Fuß nach außen zu transportieren. Bei der Verwendung eines atmungsaktiven Mikrofaserschaftes ist so ein schnelles Trocknen des Schuhs möglich.

Bei nassen Lederschuhen ist eine Abtrocknung zeitintensiv und die Klebeverbindung zur Sohle wird zudem nachteilig beeinflusst. (Schrumpfung des Leders beim Abtrocknen) Am Fuß unterstützen regulierende Sportsocken (keine Baumwolle!!!) den Feuchtetransport und helfen den Fuß trocken zu halten. Die Körperwärme kann die Abtrocknung zudem unterstützen. Silber-Ionisierte Innenfutter haben eine antibakterielle Wirkung und sind nach Norm geruchshemmend durch Keimreduzierung. Die so vorhandene physische Gegebenheit sorgt für eine permanente antimikrobielle Wirkung (katalytische Eigenschaft), die das Bakterienwachstum hemmt und aufgrund des Abbaus von resistenten organischen chemischen Verbindungen Gerüche beseitigt. Während der Nutzung und Reinigung der Schuhe "wäscht" sich eine solche textile Behandlung aber sukzessive heraus! 

 

IFS / HACCP

In Abhängigkeit von Ihrer Einschätzung machen die Auditoren des IFS Vorgaben für das Tragen von Arbeitsschuhen oder Stiefeln. Um Risiken in der Lebensmittelsicherheit zu reduzieren werden die von der Arbeitssicherheit geforderten Schutzeigenschaften mit Hygieneeigenschaften ergänzt. Leicht zu reinigende Schuhe können ebenso gefordert werden wie auch weiße Schuhe mit hellen Sohlen oder schwarze Schuhe (z.B. in der Zuckerfabrik), um Verschmutzungen erkennbar zu machen. Helle Sohlen lassen z.B. Bodenverschmutzungen leichter erkennen und passen zur Risikoklasse 2 und 3. Geeignete Schuhe sind ähnlich den Küchenschuhen und werden ebenso aus Materialien hergestellt, welche dem Anspruch des Berufsstandes gerecht werden. Nähere Informationen zu IFS/HACCP-gerechten Schuhen finden Sie auch im Bereich der Berufs- und Sicherheitsschuhe / Küche & Großküche, wie auch bei den Gesetzen und Regeln in der Lebensmittelindustrie.

 

Fußböden

Die allgemeine Forderung der Arbeitsstättenverordnung nach rutschhemmenden Fußböden bedarf der Konkretisierung. Aus den Erfahrungen der Unfallversicherungsträger (BG) werden Fußböden ersichtlich auf deren sich Unfälle durch Ausrutschen ereignen. Gleitfördernde Stoffe wie z.B. Fett, Öl, Wasser, Lebensmittel, Speisereste, Staub, Mehl, Pflanzenabfälle erhöhen die Rutschgefahr am jeweiligen Arbeitsbereich. Auf Grund der Bewertung der unterschiedlichen Rutschgefahren werden die Forderungen an die Rutschhemmung der Fußböden gestellt. Bewertungsgruppen für Fußböden (R9 bis R13) sind im Anhang der DGUV Regel 108-003 (BGR 181) aufgeführt. Bei Unternehmen mit Getränkeabfüllung oder Fruchtsaftherstellung wird z.B. der Boden mit der Rutschhemmung R11 gefordert, bei der Gemüsekonservenherstellung ist es der Boden mit der höchsten Bewertungsgruppe R13. Die Reinigung der Böden, wie auch der Verdrängungsraum der Bodenoberfläche wird in der DGUV Regel 108-003 (BGR 181) zudem betrachtet. Passende Schuhe (Sohle) zum passenden Boden mit auf die Schuhe einflussnehmenden Reinigern sind stets in der Gesamtheit zu betrachten. Eine Empfehlung kann nur nach Kenntnis der Örtlichkeit und dann auch nur mit Vorbehalt (Standzeit der Schuhe, Permeation der Chemikalie) ausgesprochen werden. Standzeiten der Schuhe sind z.B. abhängig vom Körpergewicht des Mitarbeiters und der anzutreffenden Bodenrauheit.

 

Empfehlung

Die Empfehlung zum richtigen Schuh für die Lebensmittelindustrie verlangt nach vorheriger Betrachtung der oben genannten Themen. Entsprechend sind die Rechtsvorschriften, die eigene Gefährdungsbeurteilung, sowie die Regeln und geforderten Standards zugrunde zu legen. Bei der ergänzenden Betrachtung eines Hygiene-Managementsystems (IFS Food & HACCP) hat der Sicherheits- oder Berufsschuh in der Regel einer regelmäßigen Reinigung standzuhalten. Die Oberfläche des Schuhs sollte bei häufigen Reinigungsarbeiten demnach wasserabweisend sein, dies auch über eine längere Nutzungsdauer hinaus. - Nahtarme Schuhe empfehlen sich somit, wie auch Schuhe mit einer langlebigen und hochwertigen PU-Beschichtung. Wichtig ist in jedem Fall eine rutschfeste Sohle!

Das visuelle Erkennen und lokalisieren von Verschmutzungen kann innerbetrieblich verbessert werden, wenn wie auch die Schutzkleidung in den Risikoklassen 2 & 3 Kontrast-Farben bei den Sicherheitsschuhen dominieren. Bei Verunreinigungen während der Arbeitsszeit sind verschmutzte Schuhe stets auch zwischendurch zu reinigen, - besonders gut erkennbar ist diese Notwendigkeit, wenn uni weiße Schuhe, oder in Bereichen mit hellen Lebensmittel (Mehl, Zucker, ...) dann auch schwarze Schuhe eingesetzt werden!