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Schuhe in der Fleischerei / Metzgerei

 

Grundlegendes zu Sicherheit und Gesundheit

Die Gefährdungsbeurteilung ist das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz. Sie ist die Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement. (Quelle: BAuA) - Resümierend ist aus den Ergebnissen der Beurteilung auch der notwendige Fußschutz (Schutzklasse und ergänzende Eigenschaften von Berufs- oder Sicherheitsschuhen) zu bestimmen, zu dokumentieren und gemäß ergänzender Regeln und Richtlinien umzusetzen. Die Wirksamkeit der durchgeführten Maßnahmen ist zudem zu überprüfen.

 

Schaft

Am Markt angebotene Arbeitsschuhe für den Einsatz in Fleischereien sind entweder aus einem Leder- oder einem Mikrofaserschaft gefertigt. Durch aufgebrachte PU-Beschichtungen erfüllen solche Schäfte den notwendigen Anspruch, welche an bedingt-wasserdichte Berufs- oder Sicherheitsschuhe gestellt werden (Zertifiziert gem. EN ISO 20345:2011 & 20347:2012, Kennzeichnung: O2, S2). Durch die Verwendung von "dampfdruckdurchlässigen" PU-Beschichtungen ist das Diffundieren von Feuchte aus dem Innern des Schuhs heraus gegeben. Natürlich kann es vorkommen, daß der Schuh mehr Schwitzfeuchte aufnimmt als er in der Tragezeit abgeben kann und dadurch an Gewicht zulegt. Eine Rücktrocknung über Nacht sollte dem Schuh daher stets ermöglicht werden.

Zerfifizierte Sicherheits- und Berufsschuhe aus hochwertig beschichtetem Leder erreichen eine gute Wasserverträglichkeit, sind meist etwas teurer, bieten dafür aber einen hohen Tragekomfort. Aus Mikrofaser gefertige Produkte sind relativ wasserunempfindlich, sie trocknen schneller, sind aber auch weniger bequem, als eingelaufene Lederschuhe. Mikrofaser gibt im Vergleich zu Leder leider kaum nach!

 

Sohle

Sicherheits-, oder Berufsschuhe unterscheiden in der Ausführung zwischen Mono- oder Zweischicht-Sohlen. Bei Mono-Sohlen ist das geschäumte, dämpfende Sohlenmaterial zugleich Laufsohlenmaterial, Zweischicht-Sohlen besitzen dagegen eine geschäumte, dämpfungsaktive Zwischensohle und eine abriebfeste robuste Laufsohle. Alle zertifizierten Sicherheits- und Berufsschuhe haben den Nachweis einer vorhandenen Rutschhemmung (Gleitwiderstand) zu erbringen. Mit "SRA" gekennzeichnete Schuhe wurden positiv getestet auf Boden aus Keramikfliesen mit Natriumlaurylsulfatlösung (SLS), "SRB" gekennzeichnete Schuhe erfüllen die Rutschhemmung auf Stahlboden mit Glycerol als Gleitmittel. Sind Schuhe mit "SRC" gekennzeichnet, erfüllen Beide die zuvor genannten Anforderungen gleichermaßen (SRA & SRB). 

Sicherheits- und Berufsschuhe mit weichen Mono-Sohlen leiden und altern im Arbeitsbetrieb ein wenig schneller als Schuhe mit Zweischicht-Sohlen! Mono-Sohlen erfüllen problemlos die geforderten Eigenschaften welche an Sicherheits- und Berufsschuhe gestellt werden, neigen jedoch dazu, empfindlicher auf äußere Einflüssezu reagieren. Aufgrund Ihrer offenporigen Struktur und der geringeren Dichte ist bei hoch rutschhemmenden R-Böden ein erhöhter Abrieb (Verschleiß) zu erwarten. Beim Einsatz von aggressiven chemischen Bodenreinigern z.B. Entfetter mit Kalium- oder Natriumhydroxidanteilen, werden den Sohlen zudem notwendige Weichmacher entzogen; - spröde und schneller alternde Laufsohlen zeugen davon. Der mögliche Verbleib von ungesunden Substanzen (Chemie) im Schuh ist ebenso zu betrachten. Erfahrungsgemäß ist die Rutschfestigkeit mit "weichen" Mono-PU-Sohlen besser als bei Zweischicht-Sohlen. 

Bei Sicherheits- und Berufsschuhen mit Zweischicht-Sohlen wird die dämpfende und schockabsorbierende Zwischensohle (PU oder EVA) durch eine feste Laufsohle ergänzt. Die Eigenschaft der Laufsohle kann idealerweise an dem Anspruch des Arbeitsumfeldes angepasst werden. Laufsohlen-Materialien wie: PU, TPU (Thermoplastisches Polyurethan), Nitril, Gummi, usw... unterscheiden sich in Ihrer Beständigkeit und Abriebfeste. Die gewählten Sohlen-Profile entscheiden zudem auch über Rutschhemmung und Wasserverdrängung. Idealerweise wird die Laufsohle, bzw. der damit ausgestattete Schuh, passend zu den Bodenverhältnissen und den äußeren Einflüssen am Arbeitsplatz gewählt. Die Laufsohle der Zweischicht-Sohlen hält durch ihre höhere "Shore-Härte" chemischen Reinigern meist besser Stand als viele Mono-Sohlen. - Informieren Sie sich bei auftretenden Problemen stets bei einem fachkundigen Ansprechpartner über Lösungsmöglichkeiten.

 

Sika 172201 Optimax S2Sika 172201 Optimax S2Laufsohle / Profil

Neben den zuvor geschilderten Sohlenmaterialien müssen parallel die Profile der Laufsohlen näher betrachtet werden. Die Gestaltung des Profils hat Einfluss auf mehrere Funktionen (Rutschhemmung, Wasserverdrängung und Flexibilität) - sowie die Hygiene. Laufsohlen mit hohem Profil-Negativanteil (siehe Bild rechts) lassen Bodenverunreinigungen links liegen und nehmen Verschmutzungen daher weniger auf. Somit sind sie leichter zu reinigen und damit hygienisch im Vorteil. Spezialisierte Hersteller von Berufs- und Sicherheitsschuhen für das Lebensmittelhandwerk empfehlen sich meist durch Produkte mit solchem "selbstreinigendem" Profil.  Querverlaufende "Bewegungsfugen" sorgen zudem für verbesserte Flexibilität im Bereich der Zehengrundgelenke. 

Flächige "Lamellensohlen" setzen sich im Fleischereibetrieb mit Bodenverschmutzungen gerne zu. Dies mindert die ansonsten hohe Rutschfestigkeit und begünstigt die Verunreinigung anderer Bereiche. (Verkaufsraum, Kühlhaus, ...). In der Langzeitbetrachtung sind schwer zu reinigende Laufsohlen mit "Lamellensohlen" hygienisch bedenklich und nicht zu empfehlen.

Laufsohlen mit einer übermäßig hohen Rutschhemmung können auf den vorgeschriebenen rutschfesten Fleischerei-Bodenbelägen (R13) für unnötige körperliche Spätfolgen sorgen. Torsionsbewegungen (das Drehen über den Fußballen) sind für Mitarbeiter am Arbeitsplatz zwingend notwendig und dürfen nicht "künstlich" verhindert werden. Knie- und Hüftgelenke werden bei zu hohem Drehwiderstand zusätzlich belastet und auf Dauer geschädigt. 

Aber Achtung: Aussagekräftige Ergebnisse zur Rutschhemmung erhält man erst wenn die Laufsohlen eingelaufen/aufgerauht sind! Anfangs wird das Ergebnis des wirklichen Gleitwiderstandes durch auf der Laufsohle verbleibende Trennmittel aus der Produktion stark verschlechtert! Bei der Wahl der zum Fleischereiboden passenden Rutschfestigkeit wird empfohlen unterschiedliche Arbeitsschuhe und deren Laufsohlenmaterialien länger zu testen. Grundsätzlich erfüllen alle zertifizierten Berufs- & Sicherheitsschuhe die Anforderungen hinsichtlich des geforderten "Gleitwiderstandes" nach Norm. Oft ist aber der lokale Anspruch an die Rutschfestigkeit individuell und wird somit durch den Normtest nicht wirklichkeitsnah beantwortet. Lösungen bei unterschiedlichsten Böden mit verschiedensten Verunreinigungen sind nur durch  Tests objektiv zu ermitteln. - Bei der Arbeitsschuhausrüstung der Fleischereimitarbeiter sollte stets ein längerer Eignungstest mit einigen Mitarbeitern vorab durchgeführt werden. 

 

Einlegesohlen

Dabei erhält die Bequemlichkeit der mitgelieferten Einlegesohle einen höheren Stellenwert als die Hygiene. Viele Gedanken über hygienisch möglichst einwandfreie Einlegesohlen wurden bisher gemacht, die Sinnhaftigkeit derer ist jedoch stets in Verbindung mit den getragenen Socken zu betrachten. Was nützt eine hygienische antibakterielle Einlegesohle, wenn unhygienische oder verschmutzte Socken getragen werden!? Billige Einlegesohlen und Schuhe, welche die Nutzung zur Qual machen, sind auf Dauer erst recht unbrauchbar! 

Bei einer notwendigen Verwendung von orthopädischen Einlegesohlen muss darauf geachtet werden, daß die vom Orthopädie-Schuhtechniker verwendeten Rohlinge passend zum Schuh zertifiziert sind und die zwingenden Eigenschaften der originalen Einlegesohle erfüllt. Bei der Verwendung von eigenen "Markenfremden" Einlegesohlen kann es passieren, daß die Bauhöhe den notwendigen ausreichenden Platz unter der Schutzkappe nicht mehr bietet. Dazu sollte man wissen, daß jede Schutzkappe bei Belastung gemäß der Prüfnorm nachgeben darf; - diese soll im Unglücksfall aber nicht die Zehen ein- oder abquetschen. Desweiteren ist damit zu rechnen, daß die elektrostatische Entladung bei "fremden" Einlagen nicht mehr in der geforderten Weise gewährleistet ist. Mehr zu orthopädischen Einlegesohlen lesen sie hier!

 

Innenfutter 

Arbeitsschuhe im Fleischerhandwerk sind grundsätzlich einer hohen Feuchtebelastung ausgesetzt. Diese können durch Wasser, Brühen und/oder Körperschweiß verursacht werden und den Schuh von außen wie von Innen durchfeuchten. Für ein ordentliches Abtrocknen fehlt meist die Zeit oder die von der BG/DGUV empfohlene Bereitstellung eines zweiten Ersatzpaares. (Trocknung über den nächsten Tag hinweg) Moderne Innenfutter haben die Aufgabe die Feuchtigkeit zu absorbieren und vom Fuß nach außen zu transportieren. Am Fuß unterstützen regulierende Funktions-Socken (keine Baumwolle!!!) den Feuchtetransport und helfen den Fuß trocken zu halten.

Antibakterielle Innenfutter haben eine bedingte "hygienische" Wirkung und sind geruchshemmend. Solche Innenfutter sind temporär in der Funktion, "wäscht" sich in der Anwendung und Reinigung doch dieses Threatment (textile Behandlung) sukzessive heraus.

 

HACCP

Echte HACCP-Schuhe, oder HACCP zertifizierte Schuhe gibt es nicht! Man spricht bei solchen Produkten von verwendeten Materialien bei der Herstellung, welche das Entstehen von Bakterienherden in der Anwendung ausschließen sollen. Die bei der Schuhherstellung verwendeten anorganischen Materialien werden oft als HACCP- "gerecht" oder "geeignet" bezeichnet, wenn sie den Ausschluss von Bakterienherden versprechen oder dazu beitragen.

Beim Endprodukt Schuh müsste aus hygienischer Sicht sichergestellt werden, daß selbst nach der Verwendung verbleibende Baumwollfussel, Hautpartikel und/oder Schweiß rückstandsfrei gereinigt werden können! Da dies nicht möglich ist, sieht die DIN 10524 sogar eine bedarfsabhängige hygienische Reinigung ggf. Desinfektion von Sicherheits- oder Berufsschuhen vor. Selbstverständlich mit fachgerechter Trocknung und Aufbewahrung. Bequeme Schuhe aus Leder können so auch im Lebensmittelbereich Verwendung finden. (siehe auch Gesetze & Regeln)

 

Fußböden

Fußböden im Nahrungsmittelgewerbe (Küchen, Metzgereien, …) haben großen Einfluss auf die Arbeitssicherheit.  Basierend der Bewertung zur Rutschgefahr werden lokale Anforderungen an den Gleitwiderstand von Fußböden gestellt. In der DGUV Regel 108-003 wird u. A. auf die geforderte Rutschhemmung von Fußböden in Küchen eingegangen. Mit den Bezeichnungen R9 bis R13 werden Reibwerte klassifiziert. Böden in Großküchen der Gemeinschaftsverpflegung benötigen R12, - Tee- und Anwärmküchen benötigen dagegen Böden der Klasse R10. Auf die Reinigung der Böden, wie auch auf den Verdrängungsraum der Bodenoberfläche, wird ebenso in der DGUV Regel 108-003 Bezug genommen. Bodenbeläge mit Verdrängungsraum werden gefordert, wo mit Verschmutzungen durch gleitfördernde Stoffe wie Öle, Fette, Fleischreste oder Gemüseabfälle zu rechnen sind. Der Verdrängungsraum (dies sind kleine Vertiefungen unterhalb der Geh-Ebene) ermöglicht Verschmutzungen das Absetzen und Eindringen in deren Hohlräumen, wodurch der Kontakt zwischen Schuhsohle und Bodenbelag (somit auch die Rutschhemmung) erhöht wird....geht besser!...geht besser!

Passende Arbeitsschuhe zum passenden Boden, mit zusätzlich auf die Schuhe einflussnehmenden Faktoren, sind stets in der Gesamtheit zu betrachten! Eine Empfehlung für funktionierendes rutschhemmendes Schuhwerk kann nur nach Kenntnis der Örtlichkeit und dann auch nur unter Vorbehalt ausgesprochen werden. Tests zugelassener Schuhe mit unterschiedlichen Sohlen sind für eine vorrausschauende Schuhwahl stets der richtige Ansatz zur Lösungsfindung. Die Standzeiten der Schuhe sind dagegen abhängig vom Körpergewicht des Mitarbeiters, der anzutreffenden Bodenrauheit, Gitterroste, und besonders der großen "Unbekannten", wie die Beeinträchtigung durch aggressive chemische Bodenreiniger/Reinigungsmittel.

 

Empfehlung

Die Empfehlung zum richtigen Arbeitsschuh im Fleischerhandwerk verlangt nach vorheriger Betrachtung der oben genannten Themen. Zudem sind die Rechtsvorschriften (Gefährdungsbeurteilung) und Regeln der BG/DGUV immer zugrunde zu legen.  Laut DGUV Beispielsammlung Fußschutz aus 12/2017 werden S1 und/oder wasserunempfindliche S2 Schuhe als geeignet angesehen, sofern die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes keinen höheren Anspruch an die Sicherheit oder Gesundheit beim Schuhwerk fordert! Beim Theken-Verkauf von Fleisch-und Wurstwaren werden O2 Berufsschuhe (mit Rutschhemmung und ohne Zehenschutzkappe) als Orientierung genannt. Bei der Wahl der geeigneten Arbeitsschuhe sollten grundsätzlich verschiedene Modelle bezüglich Passform, Bequemlichkeit und Rutschfestigkeit über einen längeren Zeitraum getestet werden!